Pilotprojekt: Mobile peripartale Krisenbegleitung
Aktueller Projektzwischenstand vom Juni 2026.
Das Angebot ist im Aufbau: Der Betrieb wird Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027
aufgenommen. Über den genauen Start werden wir Sie an dieser Stelle informieren ...
Unser Pilotprojekt: mobile Begleitung von Müttern und Kindern in peripartalen* Krisen
(Bestandteil von Meliso +Plus).
* Unter «peripartal» versteht man den Zeitraum von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und erster Lebenszeit des Neugeborenen.
Mit der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes werden Menschen zu Eltern. Diese sensible Übergangszeit, die vielschichtige innere und äussere Anpassungen erfordert, bedeutet für manche Familien eine emotionale Krise. Eingespielte Abläufe und bisher hilfreiche Bewältigungsstrategien reichen plötzlich nicht mehr aus. Vertrautes gerät ins Wanken, Orientierung und innerer Halt können verloren gehen. Das Pilotprojekt «Mobile peripartale Krisenbegleitung» vom Meliso hat zum Ziel, eine Form der Begleitung zu schaffen, in der Familien und Kinder in Krisensituationen wieder Halt und einen Weg zurück in ihre Selbstwirksamkeit finden.

Flavia Wasserfallen, Politikerin
Berner Ständerätin
«Nicht für alle ist die Geburt eines Kindes und die darauffolgende Zeit von Glück und Freude geprägt. Umso wichtiger sind deshalb zielgerichtete und flexible Unterstützungsangebote wie das Pilotprojekt zur peripartalen Krisenbegleitung vom Meliso (Bestandteil von Meliso +Plus), damit eine emotionale Krise überwunden werden kann und starke und anhaltende Beziehungen entstehen können.»
Ein sicherer Ort, wenn die (Lebens-)Welt ins Wanken gerät
Krisen im Übergang zur Elternschaft sind keine Seltenheit. Studien zeigen, dass circa jede sechste Mutter in der Peripartalzeit auf emotionale Unterstützung angewiesen ist. «Die heutigen Eltern sind sehr verunsichert», lesen wir im kürzlich erschienenen Buch des renommierten Entwicklungspädiaters Oskar Jenni. Das Buch* thematisiert die Überforderung von Eltern in der heutigen Gesellschaft. «Wir leben in einer Zeit grosser Unruhe», erklärt Jenni weiter. Diese äusseren Nöte beeinflussen das innere Erleben der Menschen und in besonderem Masse junge Eltern, die für ein neugeborenes Kind Verantwortung tragen. Nicht überraschend kann es daher bereits in den frühen Phasen der Elternschaft zu Verunsicherung sowie zu einem Verlust von innerem Halt und Orientierung kommen.
Im Kanton Bern gibt es kaum Angebote zur Unterstützung für Mütter mit ihren Kindern, wenn deren Lebenswelt ins Wanken gerät. Das möchten wir ändern. In unserem neuen Angebot sollen Familien zu Hause, in ihrer vertrauten Wohnumgebung, begleitet werden.
* «Kindheit – eine Beruhigung.» Oskar Jenni (Hrsg).
Im Zürcher Verlag «Kein & Aber» erschienen im Jahr 2024.
Pilotprojekt: Meilensteine und Ausblick
Alle bisherigen erreichten Projekt-Meilensteine finden Sie im nachfolgenden PDF-Dokument hier:
Zwischenstand: Dezember 2025
Ein Angebot, das zu den Familien kommt
Im Zentrum unseres weiterentwickelten Pilotprojekts steht eine mobile, aufsuchende Krisenbegleitung in der Peripartalzeit. Wir begleiten Familien in ihrem Zuhause, in ihrem Alltag, in ihrer konkreten Lebenssituation.
Damit schliessen wir eine zentrale Lücke in der aktuellen Gesundheitsversorgung: Gerade in der Peripartalzeit fehlen oft niederschwellige Angebote, die frühzeitig Unterstützung bieten können; noch bevor eine stationäre Behandlung notwendig wird. So ermöglicht die Begleitung im häuslichen Umfeld, dass Belastungen frühzeitig erkannt, vorhandene Ressourcen gestärkt werden und Unterstützung dort geschieht, wo Leben gestaltet wird.
Was die mobile Krisenbegleitung umfasst
Die mobile Unterstützung wird individuell angepasst und kann – je nach Situation – verschiedene Elemente verbinden. Sie wird von einem interdisziplinären Team getragen, in dem Fachpersonen aus Psychotherapie, Pflege und Geburtshilfe eng zusammenarbeiten.
Aus den unterschiedlichen Perspektiven entsteht eine abgestimmte und tragende Begleitung mit ...
psychotherapeutischer Begleitung (Einzel- und Gruppensetting)
Krisenbegleitung/Beratung zu Hause
Hebammenbegleitung rund um Geburt und Wochenbett
entlastender Kinderbetreuung
Unterstützung im Haushalt
Austauschmöglichkeiten mit anderen betroffenen Familien
Beziehung im Zentrum
Mit der Geburt kommt ein neuer Mensch zur Welt, der auf Beziehung angewiesen ist. Ein Kind braucht Schutz, Fürsorge und verlässliche Bezugspersonen, um sich in der Welt orientieren zu können. Wir verstehen die frühe Beziehung zwischen Bezugsperson und Kind als eine Beziehung, die sich in ständiger Wechselwirkung entwickelt: Erlebt sich die Bezugsperson als handlungsfähig und gestaltend, kann sie ihr Kind mit sensitiver Fürsorge begleiten.
Im Mittelpunkt unserer Unterstützung steht die Begleitung der Bezugspersonen in ihrer neuen Rolle, in ihrer Orientierung als Mutter oder Vater – damit eine tragfähige Beziehung zum Kind möglich wird. Denn diese prägt nachhaltig, ob ein Kind die Welt als verlässlich und tragend erleben kann.
Zusammenarbeit mit Spitäler fmi AG (Standort Frutigen)
Seit 2026 betreibt die Spitäler fmi AG am Standort Frutigen ein spezialisiertes, stationäres Angebot für Eltern mit Kindern in der Peripartalzeit.
Um die gemeinsame Synergie zu nutzen, arbeiten wir eng mit Spitäler fmi AG zusammen und stehen in regem, fachlichem Austausch. Sollte ein stationärer Aufenthalt notwendig werden, kann dieser in Frutigen auf der spezialisierten Station für Krisen in der Peripartalzeit erfolgen. Nach einem solchen Aufenthalt können wir die ambulante Weiterbegleitung im Alltag der Familie sicherstellen. Damit setzen wir uns gemeinsam für eine möglichst kontinuierliche Familienbegleitung in Bern und der weiteren Umgebung ein.
Praxis der Lebenskunst – die Grundlage unseres Handelns
Unser Projekt basiert auf den Grundsätzen der «Praxis der Lebenskunst», einer Haltung, die den Menschen als untrennbare Einheit von Körper, Seele und Geist begreift. Daraus ergibt sich die Perspektive, dass Gesundheit und Krankheit keine starren Gegensätze sind, sondern fliessende Übergänge bilden. Gerade im Bereich der Emotionalität lassen sich menschliche Erfahrungen oft nicht eindeutig einordnen. Diagnosen können wichtige Orientierung bieten, bilden die Vielschichtigkeit individuellen Erlebens jedoch nicht immer vollständig ab. Was für den einen Menschen eine schwere Belastung darstellt, kann von einem anderen anders erlebt werden. Zudem werden Diagnosen und Vorstellungen von Gesundheit immer auch durch gesellschaftliche und kulturelle Faktoren geprägt.
Um dieser Komplexität gerecht zu werden, beziehen wir nicht-medizinische Disziplinen in unsere Arbeit ein – darunter Fachpersonen aus den Bereichen Kunst, Philosophie, Soziologie und Theologie. Dieser interdisziplinäre Ansatz ermöglicht eine ganzheitliche Sichtweise auf Lebenskrisen. In Supervisionen, interdisziplinären Rapporten und Weiterbildungen reflektieren wir gemeinsam soziale und kulturelle Einflüsse, individuelle Lebensgeschichten und persönliche Werte, um den Menschen in seiner Ganzheit zu verstehen. Gleichzeitig möchten wir dazu beitragen, die Stigmatisierung peripartaler Krisen zu verringern. Denn: Es ist bekannt, dass viele Mütter aufgrund ausgeprägter Schuld- und Schamgefühle auf frühzeitige Unterstützungsangebote verzichten; was längerfristig zu noch mehr seelischer Not führt.
Eine ausführliche Beschreibung der «Praxis der Lebenskunst» finden Sie auf der eigenen Themenseite.
Hier finden Sie unsere Sonderbeilage zum Download:
Die Finanzierung unseres Pilotprojekts erfolgt durch eine Kombination aus Versicherungsleistungen, Fördermitteln und Spendengeldern. Diese mehrgleisige Struktur ermöglicht es uns, das Angebot aufzubauen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Finanzierung in diesem Bereich mit Herausforderungen verbunden ist. Insbesondere wird die Beziehung zwischen Bezugsperson und Kind – die im Zentrum unserer Arbeit steht – im bestehenden System nur teilweise abgebildet.
Umso mehr sind wir auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Spenden und Förderbeiträge tragen wesentlich dazu bei, Familien auch dort begleiten zu können, wo notwendige Leistungen nicht oder nur unzureichend gedeckt sind.
Unser Ziel ist es, ein langfristig tragfähiges Angebot zu entwickeln, das Familien in dieser sensiblen Lebensphase verlässlich unterstützt.
Von der Idee zur Umsetzung
Der Start der mobilen peripartalen Krisenbegleitung ist für Ende Jahr 2026 respektive auf Anfang 2027 geplant – über den genauen Angebotsstart werden wir Sie an dieser Stelle zeitnah informieren.
Die zweijährige Pilotphase bis Februar 2028 wird fortlaufend evaluiert, um die Zielerreichung und Sinnhaftigkeit des Projekts zu überprüfen. Unser zentrales Anliegen ist es, Familien im Übergang zur Elternschaft in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken. Wie uns diese Zielerreichung mit dem
bestehenden Konzept gelingt, können wir nur durch die praktische Anwendung herausfinden. Mit einer Haltung der inneren Offenheit setzen wir uns dafür ein, unser Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln und auszubauen – immer im Einklang mit dem leitenden Grundsatz vom Meliso: Eltern und Kinder stärken. Aus eigener Kraft, aber nicht allein.
Weitere Stimmen, die unser Pilotprojekt unterstützen, melden sich nachfolgend gerne zu Wort ...

Marieke Kruit, Politikerin
Stadtpräsidentin von Bern, Psychologin und Psychotherapeutin
«In einer Krise ist es wichtig, Unterstützung und Halt finden zu können. Mit der peripartalen Krisenbegleitung will Meliso eine Lücke schliessen, die für werdende und frische Eltern im Kanton Bern besteht. Ich begrüsse dieses Vorhaben.»

Franziska Roth, Politikerin
Solothurner Ständerätin
«In der Schweiz nimmt die Zahl junger Frauen und Männer mit psychischen Problemen nach der Geburt zu, während die Geburtenrate sinkt. Das ist nicht nur ein persönliches, sondern auch ein politisches Thema, da es unsere Gesellschaft auf vielfältige Weise beeinflusst. Es bedarf dringender Massnahmen, um psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt vorzubeugen.»

Andrea de Meuron, Politikerin
Gemeinderätin Stadt Thun und Grossrätin
«Das Pilotprojekt zur peripartalen Krisenbegleitung von Meliso setzt dort an, wo unser Gesundheitssystem oft zu spät reagiert: bei der frühzeitigen Unterstützung von Frauen in seelischen Ausnahmesituationen rund um die Geburt. Es steht exemplarisch für eine Gesundheitspolitik, die präventiv, niederschwellig und interdisziplinär wirkt. Solche Angebote stärken nicht nur Mütter und Familien, sondern entlasten langfristig auch die öffentliche Hand. Ich unterstütze dieses zukunftsweisende Modell ausdrücklich.»

Sarah Tandang, Sozialarbeiterin
Mütter- und Väterberatung Kanton Bern, Regionalleiterin Bern-Mittelland
«In der Beratung gelangen viele Familien an uns, die nach der Geburt ihres Kindes unerwartet und abrupt mit einer Krise konfrontiert werden und dadurch stark belastet sind. Um das Wohl der Neugeborenen sicherzustellen und deren Eltern zu entlasten, ist es oft schwierig, passende Angebote zu finden, die die notwendige, intensive und zeitnahe Unterstützung leisten können. Deshalb unterstützt die Mütter- und Väterberatung dieses wichtige Pilotprojekt als wertvolles Angebot für Familien in Krisensituationen.»

Prof. Dr. med. Daniela Hubl
Chefärztin UPD, Stv. Klinikdirektorin FPP a.i. sowie Lehrkoordinatorin UPD
«Im Kanton Bern fehlt es derzeit an spezialisierten Angeboten für Mütter und ihre Kinder in peripartalen psychischen Krisen. Aus meiner Erfahrung als Chefärztin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UPD AG Bern weiß ich, wie gross der Bedarf an interdisziplinärer und individuell abgestimmter Unterstützung ist. Die Initiative vom Meliso ist ein entscheidender Schritt, um diese Versorgungslücke zu schließen und betroffenen Familien die notwendige Begleitung zu ermöglichen.»

Lena Sutter, Hebamme MSc
Fachführende Pflege- und Hebammenexpertin Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital Bern
«Psychische Erkrankungen von Frauen während Schwangerschaft und Mutterschaft brauchen mehr Sichtbarkeit – und spezialisierte Unterstützung. Als Fachperson erlebe ich täglich, wie entscheidend es ist, psychisch belastete Frauen in dieser sensiblen Lebensphase gezielt zu begleiten. Im Kanton Bern fehlt es jedoch an stationären Versorgungsangeboten, die sowohl Psychotherapie als auch Psychopharmakotherapie ermöglichen – individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse von Mutter und Kind. Die Initiative vom Meliso ist deshalb ein bedeutender Schritt hin zu einer verbesserten, bedarfsgerechten Versorgung.»

Dr. med. Dorothea Hefti
Stv. Chef-Ärztin an der Frauenklinik am Spital Langenthal SRO
«Eine psychische Krise vor oder nach der Geburt tritt bei ca. 15% auf. Sie betrifft die Mutter, manchmal den Vater und infolge das Neugeborene in seiner vulnerablen Entwicklung und damit auch die Gesundheit unserer Gesellschaft. Es fehlt in der Schweiz an institutionellen, niedrigschwelligen Therapie-Programmen. Meliso bietet ein vorbildliches Pilotprojekt an für ein spezifisches, schnell verfügbares, therapeutisches Hilfsangebot.»

Jaël Malli, Sängerin
Berner Musikerin, Sängerin und Mutter
«Rund um die Geburt meines Sohnes überschlugen sich die Ereignisse: Er schrie nächtelang, ich war pausenlos mit dem Stillen beschäftigt – dazu kam ein Bandscheibenvorfall, der mich stark einschränkte. So habe ich am eigenen Leib erfahren, wie schnell die Geburt eines Kindes in eine unvorhersehbare Krise münden kann. Ich brauchte dringend Orientierung, Halt, einen Ort, um zur Ruhe zu kommen. Weil ein passendes Angebot nur im Kanton Basel existierte, habe ich mich dagegen entschieden – was ich heute bedauere. Ein Angebot wie jenes von Meliso ist für Mütter, Familien und Kinder im Kanton Bern dringend notwendig.»
Das Projekt wird finanziell unterstützt dank:
Sowie weitere Fördernde die namentlich nicht genannt werden wollen.







